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Die Spieletests

Fragile

Ein Spiel von Frank CzarnetzkiFragile Cover
aus dem "LudoArt Verlag"
für 1-4 Spieler
ca. 30-45 min.
ab 10 Jahre

Testbericht

Wir danken Frank Czarnetzki und LudoArt für das Rezensionsexemplar.

Fragile

... ist ein Spiel in dem es darum geht Kisten mit äußerst fragiler Fracht, so schnell wie möglich in die aufnahmebereiten Lager zu transportieren. Hierzu werden Kisten von chinesischen Hafenarbeitern schiebend übers Spielbrett bewegt.

Vorbereitung
Das Kai von Shanghai (sprich: das Spielbrett) wird in der Tischmittte ausgebreitet. Auf dem Spielbrett sind symetrisch die Lager (ausgestanzte Felder) angeordnet, in welche im Spielverlauf die chinesischen Hafenarbeiter die Kisten bewegen sollen.
Jeder Spieler erhält, abgängig von der Spielerzahl, 2 oder 3 Arbeiterfiguren und 3 oder 4 Lager in der jeweiligen Spielerfarbe.
Die 12 Holzkisten, die das zentrale Element darstellen, werden quadratisch um ein 4 Felder großes Zentrum des Spielbrettes platziert. Das auf den Kisten stehende Wort "Fragile" wird hierbei nach unten gedreht. Darauf gehe ich gleich noch ein.

Fragile Fragile


Spielziel
Die Spieler haben während des Spieles die Aufgabe die Kisten aus dem Zentrum des Spielbrettes in die eigenen Lager zu transportieren. Wer zuerst seine Lager voll hat, hat das Spiel gewonnen. Es kann auch vorkommen, dass keine Kiste mehr bewegt werden kann, obwohl noch keiner alle seine Lager mit Kisten belegt hat, dann endet das Spiel vorzeitig.


Das Spiel
Da wir zu viert spielen bekommen alle Spieler 2 Arbeiter und drei Lager in ihrer jeweiligen Farbe. Zu Spielbeginn werden abwechselnd reihum die ausgestanzten Lagerfelder mit den Lagerkarten der Spieler besetzt. Hier kann jeder (fast) frei entscheiden wo er seine Lager postiert. Als einzigste Einschränkung muß man darauf achten, dass die Lager in mindestens drei Viertel des Spielplans verteilt sind. Anschließend werden die eigenen beiden Arbeiter, ebenfalls abwechselnd, auf zwei der eigenen Lager gestellt.
Wir befinden uns jetzt in Startposition. Nun beginnt das eigentliche Spiel.
Jeder Spieler hat währnd seines Zuges 5 Aktionspinkte (AP) pro Figur zur Verfügung.
Folgende Möglichkeiten stehen zur Auswahl:
- Arbeiter bewegen - 1 AP
- Arbeiter mit Kiste bewegen (schieben) - 1 AP
- Kiste stapeln/entstapeln - 2 AP
- Kiste umdrehen - 4 AP
- Kiste weitergeben - 1 AP


Diese Aktionen können frei kombiniert werden. Allerdings muß der Arbeiter seine Aktionen am Stück ausführen. Man kann also nicht beliebig zwischen den Arbeitern hin- und herwechseln. Benutze ich den nächsten Arbeiter obwohl der vorherige noch APs übrig hatte, verfallen diese. Diese Einschränkung beugt einer übermäßigen Zusammenarbeit der einzelnen eigenen Arbeiter vor. Außerdem muß man seine Züge dadurch sorgfältiger planen. Gleichzeitig fällt uns hierbei auch auf, dass kein Zugzwang besteht. Man also nicht alle APs nutzen muß.
Im gesamten Spiel werden Kisten nur schiebend fortbewegt. Das ist besonders wichtig für die eigenen Überlegungen, da man sich am Spielfeldrand oder in Ecken schnell die Kisten "festfährt". So kann man einem Mitspielersicher der auf dem Weg u seinem Lager ist, die Kiste kurzerhand aus der Hand nehmen und sie z.B. auf direktem Weg an die Wand schieben. Somit ist diese Kiste ersteinmal blockiert. Allerdings gibt´s hier auch Abhilfe.
Nun kurz zu den eigentlichen Zugmöglichkeiten.
Die oben angegbenen AP sind die Kosten für ein Feld weiter ziehen. Arbeiter und/oder Kiste bewegen erklärt sich eigentlich von allein. Hier wäre nur anzumerken, dass fremde Figuren oder beliebige andere Kisten das Weiterziehen bzw. Schieben von Kisten blockieren. Die Arbeiter als solche können allein über andere Arbeiter hinwegziehen, wenn sie nicht auf diesen Feldern zum Stehen kommen.
Kiste stapeln und entstapeln bedeutet das man max. eine Kiste auf eine (in Schieberichtung) andere draufstapeln kann. Das kostet 2 AP. Hat man noch genug AP über, kann man sie durch runterschubsen (ebenfalls in Schubrichtung) auf das dahinterliegende Feld setzen, wenn es unbesetzt ist. Man könnte diese Kiste aber auch so stehen lassen. Da gestapelte Kisten nicht geschoben werden dürfen, wären diese ersteinmal blockiert. Erst nach dem Abstapeln können beide Kisten wieder bewegt werden.
Warum sollte man nun die Kiste umdrehen? Durch das Umdrehen kommt das Wörtchen "Fragile" zum Vorschein (nach oben).
Befördert man so eine Kiste ins eigene Lager, erhält man dafür zwei Siegpunkte, statt einem Siegpunkt für eine normale Kiste.
Also sollte man das Umdrehen der Kiste immer im Auge behalten, um sich die max. Punktezahl sichern zu können.
Hierzu sollte man wissen das immer der Spieler der in Führung geht das Siegerplättchen erhält. Nur bei Führungswechsel wird es weitergegeben. "Mit" gibt es also nicht. Mit Gleichstand kann man also nie zufrieden sein, wenn man das Führungsplättchen nicht hat.
Kisten weitergeben kann der Retter in der Not sein, wenn Kisten unrettbar in irgendwelchen Ecken stehen und normal nicht mehr bewegt werden können. Hierfür können auch fremde Arbeiterfiguren genutzt werden. Einzigste Bedingung zum Weitergeben, beide Figuren (die welche den Zug beginnt und später jede Figur die weitergeben soll) müssen angrenzend an dem Feld stehen auf welcher die Kiste zum Stehen kommt. Ist das gegeben, kann die Kiste weitergereicht werden und zwar so lange bis der auslösende Spieler die Aktion abbricht oder keine Figur mehr zur Verfügung steht. Die Bewegung der Kiste, also die Felder und Arbeiter die die Kiste auf ihrem Weg benutzt, bestimmt nur der aktive Spieler. Die Spieler der anderen Arbeiterfiguren können nur zuschauen. Auf diese Art und Weise landen schon mal unverhofft Kisten direkt im Lager. Also aufgpasst



Fragile

Das Spielende
... ist erreicht, wenn ein Spieler seine Lager mit Kisten besetzt hat. Danach jeder andere Spieler noch einen kompletten Zug ausführen und vielleicht sogar noch Boden gut machen. Wer die höchste Punktzahl hat bzw. das Siegpunkteplättchen bei Gleichstand sein Eigen nennt, gewinnt das Spiel.

Fragile Fragile

Fazit
"Fragile" ist ein Spiel mit sehr hohem Grübelfaktor. Beginnt man noch recht entspannt, so wirds spätestens nach der ersten im Lager versenkten Kiste langsam spannend. Es bricht zwar noch keine Hektik aus aber man will nicht zu weit ins Hintertreffen geraten. Und so ist man ständig hin und her gerissen zwischen der Entscheidung, eigene Punkte machen oder den Gegnern die nächsten Punkte versauen. Hier hängt es stark davon ab, wo das Geschehen sich konzentriert. Es kam immer wieder vor das ein Spieler abseits sein Süppchen kochen konnte oder das immer nur zwei miteinander zu gange waren. Meist lief es dann so ab, dass ein Spieler dem anderen das "Einlochen" verwehrte. Kam dafür bei sich selbst aber kaum voran. Die Konsequenz ist das Vernachlässigen des Gegners, um selbst ebenfalls Punkte zu machen. Wahrscheinlich auch so gewollt. Solange noch keiner auf der Siegerstraße ist, ist das auch noch nicht wirklich tragisch. Zum Ende des Spieles allerdings wirds dann hakeliger, da schon viele Kisten in den Lagern untergebracht sind und entsprechend viele Arbeiter sich um den Rest balgen. Da hat das Hin und Her dann schon mal einige Längen, vor allem für diejenigen die ohnehin schon hinten sind.
Um der Tendenz des "zu langen Spielens" entgegen zu wirken, wurde wohl, die "Kisten weiterrechen"-Möglichkeit eingebaut. Gerade wenn Anfangs sich alle Spieler in der Mitte des Spielfeldes aufhalten, kann man "Kisten weiterreichen" sinnvoll einsetzen, um das Ziel der Begierde mit Schwung in die eigene Richtung zu bringen. Durch die gleiche Möglichkeit kann man auch festgefahrene Kisten wieder reaktivieren.

Das Spiel selbst ist eher für Leute gedacht, die Freude an Strategiespielen haben. Bei uns herrschte bei diesem Spiel fast völlige Ruhe am Tisch, da man mit seinen nächsten Zügen zu tun hatte. Wer also kommunikative Spiele mag, sollte "Fragile" vorab antesten. Es hängt doch immer stark von der Konstellation der Leute ab, wie solche Spiele gespielt werden. Die Regel umfasst 4 Seiten und ist gut verständlich und mit vielen Beispielen versehen. Mit einer max. Erklärungszeit von einer halben Stunde (ohne Vorbereitung) ist es als "Auf den Tisch und logespielt" -Spiel sehr gut geeignet.
Sehr positiv ist uns wieder die Gestaltung des Spieles aufgefallen. Die große dunkelbraune Holzkiste erinnert beim Öffnen mehr an einen verlorengegangen Schatz als an ein Spiel. Innen ist alles mit Holzwolle ausgekleidet. Alle Arbeiterfiguren sind extra in "Seidenpapier" eingewickelt. Die Holzkisten sehen wie solche aus. Auch das Spielbrett ist von angenehmer Gestaltung und sehr dick. Hier zelebriert man schon fast das Auspacken. Also wieder ein großes Lob an LudoArt für das Gesamtkunstwerk.

"Fragile" funktioniert ohne Frage gut. Trotzdem fehlte uns leider so ein bischen der Funke. Wenn es sich mit einem Spiel das wir kennen vergleichen lässt, so mit "RoboRally". Zwar ist hier der Grübelfaktor auch sehr hoch, dennoch geht´s hier munterer am Tisch zu und der Wiederspielreiz liegt bei RR auch höher. Was in unseren Augen eher schlecht funktioniert ist die Zwei-Spieler-Variante. Hier kommt kein rechtes "Wettbewerbsgefühl" auf.
Allerdings bringt die Ein-Spieler-Variante Abwechselung der besonderen Art. Hier gibt es 14 "Schachprobleme" zu lösen.
Die Spielfiguren und Kisten habe eine bestimmte Stellung auf dem Brett inne. Z.B. in zwei Zügen müssen die Kisten im Lager sein. Und los!
Alles in allem ist "Fragile" sicher eines der besseren Spiele. Aber wohl eher für Vielspieler-Gemeinde geignet. Familien und Gelegenheitsspieler, die solche Titel wie "Zug um Zug" oder "Thurn und Taxis" spielen, wäre vorher ein Testspiel anzuraten.


Tester
Wertung
Immo
Mario
Robert
Achim
fuenf
Schlüssel: 6 = optimal / 1 = Flop

Gesamtnote: 5

Kommentare
- keine

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